Pitschi

by Hans Fischer


Einleitung

Meine Grossmutter hatte meiner Tante Andrea dieses Buch als Kind vorgelesen. Andrea schwärmt heute noch von diesem Buch und spricht den Namen "Pitschi" immer mit einer quietschen Kinderstimme aus. Nun hatte ich auch das Vergnügen Pitschi kennen zu lernen und verstehe Andrea sehr gut. Nicht nur die Bilder sind sehr schön und lustig dargestellt sondern auch die Geschichte bietet viel zum Nachdenken an.


Worum geht es?

"Das Kätzchen Pitschi will ein Hahn sein, eine Ziege, eine Ente, ein Hase, bis es schliesslich merkt, wie schön es ist ein Kätzchen zu sein" (buchzentrum, 2018, o.S.).


Historischer Kontext

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der deutschsprachigen Schweiz  Bilderbüchern aus Deutschland gemieden. Die schweizerischen Verlage sahen ihre Chancen und veröffentlichten viele Kinderbücher von Felix Hoffman, Alois Cariget und Hans Fischer. Denn der Wunsch war gross wieder mehr von der heilen Kinderwelt zu erfahren (Rechsteiner, 2018, o.S.).


Literarische Gattung

Bilderbuch


Figuren und Orte

Lisette

Lisette ist eine alte Frau, die alleine, jedoch mit ihren Tieren, in einem Haus wohnt. Sie trägt ein weisses Kopftuch, mit einem roten Streifen, eine weisse Bluse mit einer schwarzen Jacke darüber und ein brauner Rock mit einer blauen Schürze. In ihrer Freizeit strickt sie gerne. Ansonsten ist sie eine viel beschäftigte Frau mit all ihren Tieren, die sie versorgen muss. Neben ihrem Hund Bello hält sie Hühner, Ziegen, Enten, Hasen und natürlich Katzen. 

 

Lisette scheint sehr verantwortungsvoll zu sein, denn sie schliesst immer alle Ställe ab, damit ihre Tiere in der Nacht sicher sind. Mit so vielen Tieren muss man auch tierlieb sein. Dies kommt zum Vorschein, als Pitschi "halbtot vor Angst" (Fischer, 1981, S.21) von ihr gesund gepflegt werden muss. Sie lässt Pitschi in ihrem eigenen Bett schlafen während alle ihre Tiere mit Geschenke ins Zimmer gehen dürfen. Zum Schluss macht sie mit ihren Tieren ein Fest für Pitschi und isst mit ihren Katzen am Tisch "ein Berg von Schlagrahm mit Katzenzüngli" (Fischer, 1981, S. 30). 

 

Bello

Bello ist der "gute Hund" (Fischer, 1981, S. 1) von Lisette. Seine Fellfarbe ist weiss, braun und schwarz wie bei einem Berner Sennenhund. Seine Statur gleicht aber eher einem Dackel.

 

Bello ist seiner Lisette sehr treu und auch ihm liegen vor allem die Katzen am Herzen. Er macht sich sorgen um Pitschi, weil er sich nicht wie die anderen Geschwister verhält. Als Pitschi in der Nacht, in der er schreckliche Angst hatte, laut miaute, hörte Bello ihn und weckte Lisette mit seinem Bellen auf.

 

Als Lisette Pitschi aufpäppeln muss, weint Bello und lässt Pitschi nicht mehr aus den Augen. Alle Tiere wollen das Pitschi wieder lacht, weshalb Bello eine Idee hatte und aus dem Katzenkörbchen einen Wagen baut. Pitschis Eltern Mauli und Ruli helfen ihm dabei.

 

Bello ist im Buch oft auf den beiden Hinterbeinen zu sehen und ist im Verhalten sehr vermenschlicht dargestellt.

Pitschi und der Hahn

Pitschi ist ein sechs Wochen junge, schwarz-weisse Kater und hat vier Geschwister, Grigri, Groggi, Patschi und Negri. Er ist der Kleinste und Feinste aus dem Wurf.

 

Pitschi verhält sich nicht so, wie seine Geschwister. Er spielt nicht mit und findet seine frechen Geschwister nicht lustig. Es wird ihm sogar zu viel, dass er sich vom Haus entfernt. 

 

Lieber würde Pitschi mit den kleinen Hühnchen spielen, die Eltern der kleinen schreiten jedoch ein. Dabei ist Pitschi von dem stolzen Hahn so sehr imponiert, dass er gerne auch solch ein stolzer Hahn wäre. Er kann ihn sehr gut nachmachen: Auf zwei Beinen zu stehen, picken und krähen fällt Pitschi leicht. Als er jedoch einen Hahnenkampf mit dem Nachbarhahn miterlebt, bekommt er Angst und möchte doch kein Hahn mehr sein. 

 

Pitschi und die Ziege

Pitschi ist sehr fantasievoll. Mit zwei Stecklein macht er sich Hörner, denn als er eine Ziege sieht, möchte er "Geiss spielen" (Fischer, 1981, S.11).  Doch als Lisette die Ziege melkt, ist Pitschi entsetzt und möchte keine Ziege mehr spielen, da er nicht gemolken werden möchte.

 

 

Pitschi und die Enten

Pitschi weiss, dass er sich gut putzen kann. Deshalb ist er auch überzeugt davon, dass er eine Ente ist, weil er gerade eine Ente sieht, die sich putzt. Doch wie sich herausstellt, kann Pitschi sich nicht wie die Enten auf das Wasser setzten. Schwimmen kann er auch nicht und sinkt wie ein Stein im Wasser. Zum Glück rettet eine Ente sein Leben. 

 

Pitschi und die Hasen

 

Zuletzt meint Pitschi, dass er ein Kaninchen ist, da er auch fast so lange Ohren hat wie sie. Die Hasen wärmen den unterdessen nassen Pitschi und gehen sehr sorgfältig mit ihm um. Er darf auch mit in den Hasenstall, als Mutter Hase die Kinder ruft. 

 

Pitschi und die bösen Tiere

Als Pitschi im Hasenstall eingesperrt war, hatte er grosse Angst. Er wollte wieder nach Hause zu Lisette und miaut sehr laut. Er sieht, wie die bösen Tiere sich an den Hasenstall nähern und nachdem er die grossen Zähne des Fuchses und die bösen Augen der Eule gesehen hat, kann er nicht mehr miauen, da er "halbtot [war] vor Angst" (Fischer, 1981, S. 21).

 

Nach dem Ereignis hatte Pitschi ein Trauma und muss sich erst erholen. Danach ist er sehr glücklich eine Katze zu sein.

 

Orte

 

Die Geschichte zeigt viele Orte. Sie beginnt vor dem Haus mit der strickenden Lisette. Hinter dem Haus befinden sich die Hennen mit ihren Kindern und dem Hahn. Auf der Wiese weidet die Ziege und am Teich schwimmen die Enten.

Der Hasenstall ist der Ort, an dem Pitschi klar wird, wie gut er es als Katze im Haus doch hatte und der Rest der Geschichte geschieht meist nur noch im Haus. Das Fest für Pitschis Genesung findet im Garten statt. 


Sprache und Stil

Die Geschichte ist in Präsens geschrieben. Alle Charaktere werden zu Beginn gleich mit einem Adjektiv beschrieben, z.B. "die alte Lisette" (Fischer, 1981, S. 1), "der gute Bello" (vgl. ebd., S. 1), "der stolze Hahn" (vgl. ebd., S. 7), "die liebe Geiss" (vgl. ebd., S. 11), usw.

 

Ich habe das Gefühl, man merkt, dass es ein Schweizer Autor war. Ausdrücke wie "Geiss" (vgl. ebd., S. 9) und Schifflein (vgl. ebd., S. 15) scheinen mir eher schweizerische Ausdrücke zu sein.  


Motive und Themen

Die Hauptmotive in diesem Buch sind sich anders fühlen, Angst haben und tierfreundlich zu sein. Folgende Nebenaspekte können auch erkannt werden:

Rollenspiele, Fantasie haben, Neues wagen, wohlfühlen, Genesung, Bauernhof.


Handlungsmöglichkeiten im Kindergarten

Bildnerisches Gestalten:

  • Mit wasserfestem Stift Outlines zeichnen und mit Wasserfarbe Akzente setzten (wie beim Bild oben)
  • Outfits gestalten für ein Rollenspiel

TTG:

  • einen Wagen werken, wie es Bello tat
  • mit leeren Karton eine Wohlfühl-Oase für Pitschi gestalten

Musik:

  • frohe und gruselige Musik versuchen selber zu machen

Deutsch:

  • Die Kinder beschreiben den Unterschied zwischen den verschiedenen Tieren.

Bewegung und Sport:

  • "Fischer, Fischer, wie komme ich über den See" spielen mit den Bewegungen der Tiere
  • einen Pitschi-Tiertanz erfinden
  • Schwimmen gehen und im Wasser das Gleiten üben

NMG:

  • Bauernhof besuchen und eine originale Bewegung ermöglichen
  • Kuchen backen
  • Schlagsahne selber schlagen

Autor Hans Fischer

Hans Fischer, genannt Fis, wurde 1909 in Bern geboren und verdiente als Schweizer Grafiker und Maler sein Geld. Bekannt wurde durch dieses Kinderbuch Pitschi. 1958 starb der Autor an den Folgen eines Herzversagens im Spital Interlaken.

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Bücher sind:

- Das Lumpengesindel

- Die Bremer Stadtmusikanten

- Der Geburtstag

- Rum Pum Pum

- Der Gestiefelte Kater

- Märchenbilder

- Im Märchenland

 


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